In Diesem Unsrem Lande

Reinhard Mey

  • C
  • Dm
  • F
  • G
Tom:
F G [Verse 1]
C Jedesmal, wenn ich die Zeitung aufschlag‘,
Dm haben die Damen und Herren im Bundestag
G Sich schon wieder mal die Diäten erhöht,
F G Und ich spür‘, wie ich für sie vor Scham erröt‘!
C Ich seh‘ Familien, wo es vorn und hinten nicht reicht,
Dm Seh‘ Opa Bölke, dem man cool das Taschengeld streicht,
G Mir gehn die Bilder von Armut nicht aus dem Sinn,
F G Aber die Damen und Herren langen erst mal kräftig hin! [Chorus]
G C F C G F G Ist das nicht eine Schande, in diesem, unsrem Lande! [Verse 2]
C In der Tagesschau zeigt man uns ein Staatsbankett:
Dm Alle ha‘m Übergewicht, und alle sind zu fett.
G Doch das gleicht sich wieder aus, denn wie man auch erfährt,
F G Sind in unserm eigenen Lande Menschen unterernährt.
C Wir ha‘m ‘nen Butterberg, und auch ‘nen Milchsee ha‘m wir schon,
Dm Und eine Schweinelawine überrollt die Nation,
G Mit der Überschußvernichtung ha‘m wir unsre liebe Not,
F G Und Opa Bölke hat nicht mal die Margarine fürs Brot. [Chorus]
G C F C G F G Ist das nicht eine Schande, in diesem, unsrem Lande!
[Verse 3]
C Am Flugplatz Bonn steht eine ganze Flotte parat,
Dm Die nichts als nur Polittouristen rumzufliegen hat.
G Kein Anlaß ist zu nichtig, keine Entfernung zu klein,
F G Und statt zu Fuß zu gehn, muß es ein Hubschrauber sein.
C Für eine Stunde Bonzenjet bekommt man nebenbei
Dm Für dreißig Kinder drei Wochen Ferien auf Norderney.
G Und alle naselang düst ein Hanswurst nach irgendwo,
F G Und Opa Bölke streicht man den Seniorenausflug in den Zoo! [Chorus]
G C F C G F G Ist das nicht eine Schande, in diesem, unsrem Lande! [Verse 4]
C Denk‘ ich an Deutschland in der Nacht,
Dm Dann hör‘ ich wie‘s Silvester knallt und kracht.
G Opa Bölke ist jedesmal zu Tode erschreckt,
F G Sein Bedarf an Knallerei ist in zwei Weltkriegen gedeckt.
C Und für das Geld, das man beim letztenmal verballert hat
Dm Kriegst du eine Million Menschen ein Jahr lang satt!
G Da kann die Welt verhungern und in Trümmer fall‘n,
F G Das ist uns scheißegal, wir wollen weiterknall‘n! [Chorus]
G C F C G F G Ist das nicht eine Schande, in diesem, unsrem Lande! [Verse 5]
C Lumpige 50 Milliarden kostet uns das Militär,
Dm Die spar‘n wir uns vom Munde ab, die geb‘n wir locker her!
G die Armee soll leben in Saus und Braus,
F G Dafür schließen wir auch gerne mal ein Krankenhaus.
C Selbst Opa Bölke verzichtet aufs Sterben, weil man
Dm Für sein Sterbegeld dann noch mehr Waffen kaufen kann.
G Wir streichen Schul‘n und Kindergärten für den guten Zweck,
F G Nur bitte, bitte, nehmt uns unser Lieblingsspielzeug nicht weg! [Chorus]
G C F C G F G Ist das nicht eine Schande, in diesem, unsrem Lande! [Verse 6]
C Manchmal denk‘ ich, ich wand‘re in die Südsee aus,
Dm Doch es gibt kein Entkommen, hier bin ich zu Haus,
G Nirgends wär‘ ich mehr als hier ein freier Mann,
F G Nirgends, wo ich mich so grün, gelb, rot und schwarz ärgern kann,
C Hier leben Freunde, die ich zum Leben brauch‘,
Dm Und die brauchen meine Stimme als Wähler vielleicht auch,
G Und weil ich Opa Bölke doch nicht so allein lassen kann,
F G Und schließlich häng‘ ich irgendwie ja doch daran, [Chorus]
G C F C G F C Das gesteh‘ ich am Rande – an diesem, unsrem Lande!
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